Wir jubeln! Rieger wird 60 Jahre.

Bericht zum Tag der offenen Tür!

ein Bericht unseres Besuchers und Oboe Spezialisten Frieder Uhlig 


OBOEREEDS.DE  ·  MONTAG, 25. JULI 2016

 

Die Firma Georg Rieger ist wohl den meisten Oboisten und vor allem den Fagottisten bekannt. Am 23.7.16 feierte sie den 60. Geburtstag und für alle, die leider nicht mit dabei sein konnten, schreibe ich diesen “kleinen” Bericht. Dieser darf selbstverständlich auch von denen gelesen und geteilt werden, die live dabei waren. :)

Bereits in der Einladung wurde dem Besucher viel versprochen. Firmenführung inkl. Vorführung Fräsen und Drehen, Instrumentenvorstellung, Ausprobieren sämtlicher Rohrbaumaschinen, musikalische Beiträge sowie Vorträge über die Historie des Rohrholzes und für das leibliche Wohl würde ebenfalls gesorgt. Und wie man es vom Team-Rieger kennt, wurde einem nicht zu viel versprochen. Gerade angekommen wurde man, ganz gleich ob alt bekannt oder unbekannt, sehr herzlich vom Ganzen Team der Firma Rieger begrüßt.



Im aufgebauten Zelt vor dem Firmengebäude wurde einem dann direkt das “Wichtigste” präsentiert. Speisen und Getränke sind in ausreichender Vielfalt und Menge vorhanden.

 



Doch nicht nur das. Auch die Tischdekorationen ließen keinen Zweifel daran, wo man sich genau befindet. Es drehte sich natürlich nicht primär um Essen. Jeder der sich an diesem Tag auf den Weg nach Gaggenau in Baden-Württemberg gemacht hat, hat auf die eine oder andere Weise mit Rohrblättern und Rohrblattinstrumenten zu tun. Und so trafen sich Oboisten, Fagottisten - Berufsmusiker oder ambitionierte Laien, um an diesem Event teilhaben zu dürfen.

 

Die Führung durch die Firma

 

So sieht die erste Maschine Georg Riegers aus. Fern ab der heutigen Präzision und Perfektion die Programm-gesteuerte CNC-Fräs- und Drehmaschinen leisten, legte er damit den Grundstein für das jetzige 60-jährige Jubiläum.

Die modernen Maschinen wurden den Besuchern live demonstriert. Es ist beeindruckend, was diese Werkzeuge leisten. Jedes noch so kleine Detail wird in einem “Ablaufplan” der CNC-Maschine vorprogrammiert. So werden zum Beispiel zwei Werkstücke parallel gefräst, zum Wechsel der Fräs- und Bohrköpfe öffnet sich eine kleine Tür und das Programm wählt automatisch das vorprogrammierte Werkzeug.

 

 

Doch natürlich darf man nicht davon ausgehen, dass die Maschinen allein die ganze Arbeit machen und die Mitarbeiter nur noch auf einen Knopf drücken um ein Programm zu starten.

Die Endmontage und Justierung der Rohrbaumaschinen, wie auch deren Qualitätskontrolle geschieht nach wie vor per Hand und obliegt der Erfahrung jedes Einzelnen.

Nun aber genug von der automatischen Maschinenwelt. Rohrbaumaschinen werden schließlich weitestgehend weiterhin von Hand bedient.
Die nächste Station der Führung von Johann Rieger führte ein wenig in die Geschichte der Rohblattinstrumente. Diverse historische Vorgänger - wie zum Beispiel ein Windkapselinstrument - waren dort zu sehen.

 

Und so ging es zum eigentlichen Hauptthema: Die aktuellen Rohrbaumaschinen

Innenhobel für Oboe und Fagott, Außenhobel, Anspitzhobel, Rohrabschneider, Wickelmaschinen, Fassonschneider und diverse andere. Und nicht nur das. Jede der bereit stehenden Maschinen konnte nach Lust und Laune ausprobiert werden.

Und wer mit diesen Werkzeugen noch keinerlei Erfahrungen gemacht hatte, wurde sofort von einem Mitarbeiter an der Hand genommen.


Georg Rieger

Eine besonders schöne Geschichte dieses Tages verdanke ich einer Besucherin die sich spontan an den Tisch mit den Rohrbaumaschinen setzte und sagte “ich möchte das jetzt lernen” - kein Problem.
Unter Anleitung eines Mitarbeiters wurde also das Holz zurecht geschnitten, innengehobelt, außengehobelt, fassoniert, aufgewickelt, angespitzt usw..
Und das Resultat: die Besucherin hatte nach recht kurzer Zeit ein Fagottrohr gebaut, das einen Ton erzeugte, Respekt!

Rohrholz und die ökonomische Geschichte - oder “armes wildes Schilfrohr”

Unter dem Titel “Rohrholz und die ökonomische Geschichte” hielt Dr. Jean-Marie Heinrich einen nicht nur kurzen, sondern vor allem kurzweiligen Vortrag über das Rohrholz. Er berichtete mit vielen Bildern und historischen Quellen über die Verwendung des Rohrholzes bei Webstühlen und widmete sich der Frage, ob das für uns relevantes Rohrholz wild oder auf Plantagen wachsen sollte. Man könnte nun zu der Ansicht kommen, dass das eine Frage der Zeit ist, und dass der Weg vom wilden zum Plantagenholz führte. Dem ist nicht so. Viele seiner gezeigten Quellen wiesen ausdrücklich darauf hin, dass das Holz anzubauen sei. Er kommentierte dies humorvoll mit “armes wildes Schilfrohr”.

Instrumentenvorstellung Oboe & Fagott

Einen Stock höher hörte man das unverkennbare musikalische Durcheinander von Oboen und Fagotten - kein Zweifel, da werden Instrumente ausprobiert.

Francisco Naranjo von der Oboen-Werkstatt Karlsruhe stellte hierbei die ganze Bandbreite der Modelle von Fossati vor. Mit ihm im Raum wurden zudem die Klangbrücken der Firma LefreQue in ungeahnter Vielfalt vorgestellt.

Einen Raum weiter klang es um einiges tiefer. Nicolas Müller von Tutti Fagotti Hamburg stellte Fagotte verschiedener Hersteller zum ausprobieren zur Verfügung und stand mit Rat und Tat zur Seite. 

 

 

Francisco Naranjo (Oboe) und Anael Bournel-Bosson (Fagott)


Zu guter letzt darf bei einem solchen Event natürlich nicht das Musikalische fehlen. Neben Musik für Oboe und Fagott spielte ein Fagott-Quartett Werke verschiedener Epochen und Gattungen. Das hohe Niveau der ausführenden Musiker begeisterte die Zuhörerschaft.

Und wer sich rechtzeitig als Besucher angemeldet hatte, dem wurde ein kleines Überraschunggeschenk versprochen. Wort gehalten - es gab ein persönliches Einweichgefäß mit Namenszug. Und nicht nur mit dem der Firma. :)

So liebe Freunde, an dieser Stelle endet mein Bericht. Nicht jeder wird so ausführlich wie dieser, doch wird auch nicht jede Woche eine Firma für Rohblattbau 60. 

 

Der Firma Rieger wünsche ich hier auch noch einmal Glückwunsch zum 60. und weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit!


Frieder Uhlig

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